Samstag, 13. Januar 2018

Alles klar im Kompost

Schon öfters habe ich mich beschwert (hier, und hier noch mehr), dass vermeintlich kompostierbare Folien in meinem Komposter jedes Frühjahr ein fröhliches Comeback feiern und so gut erhalten wirken wie so mancher Hollywoodstar - völlig faltenfrei und immer noch glasklar. Wiedersehen macht also nicht immer Freude. Auch die Kompostwürmer bekommen bestimmt mächtig schlechte Laune, wenn sie die ungenießbaren Klarsichtdinger auf dem Weg zur Arbeit mühsam umschiffen müssen.

Doch es besteht Hoffnung für meinen Kompost, denn nun gibt es Folien, die nicht aus Plastik und wirklich vollständig kompostierbar sind. Die Firma Sonnentor hat geforscht und verpackt ihren Tee und die Gewürzmischungen nun so, dass Müll möglichst vermieden wird. Tatsächlich sehen die Umverpackungen genauso aus wie die herkömmlichen - man kann durchgucken. Und sie fühlen sich auch an wie Plastik, aber es ist Cellulose, und damit vollständig abbaubar! Bei Sonnentor wurde das Kompostieren getestet, mit dem Ergebnis, dass die Folien in 45-90 Tagen spurlos verschwunden sein sollen. Da ich meinen schnellen Brüter nur einmal im Jahr leere, komme ich mit dieser Zeitspanne prima aus.

Mein Komposter und ich wollten das für euch gern ausprobieren, und daher hat mir die Firma Sonnentor netterweise leckere Produktproben geschickt. Genau das richtige für den Winter!

Natürlich darf man die Rotte nicht ausschließlich mit den Folien beschicken, das mögen die Tierchen im Komposter dann auch wieder nicht und würden in Streik treten. Aber wenn die Verpackungen gut gemischt mit Küchen- und Gartenabfällen serviert werden, müssen auch die wählerischen Würmer nicht die Nase rümpfen. Da die Produkte von Sonnentor in Bioqualität hergestellt werden, ist sogar gewährleistet, dass die Mitarbeiter im Komposter nicht kollektiv krank feiern müssen.

Die Folien und auch die pyramidenförmigen Teebeutel sind also kompostierbar, eignen sich aber viel besser für den Hauskompost als für die Biotonne, denn die städtischen Kompostierwerke würden die Folien aussortieren und wegwerfen, da sie den leidigen Plastikverpackungen wie aus dem Gesicht geschnitten sind.



 
Da die Umverpackung sowieso bald im Komposter landet, durften sich die Tees schon mal ein bisschen im Garten umschauen und sich akklimatisieren:




Beim Entfernen der Folie um die Teepackung habe ich gemerkt, dass es sich doch anders verhält als Plastik: Das Material reißt leichter ein, was der Verrottung auf jeden Fall zuträglich ist.

Hier wird die erste Verpackung feierlich dem schnellen Brüter übergeben:

Und nun kann ich abwarten und Teetrinken, mein Komposter und seine Belegschaft arbeiten derweil mit vereinten Kräften an der Müllvermeidung!

Ich werde später berichten, wie es um die Zersetzung der Folien steht!

Samstag, 6. Januar 2018

Bodenständig und lecker

Das ist ja mal wieder typisch. Ich wollte wie immer Feldsalat als Nachkultur in die Tomatenkübel säen. Hab ich auch gemacht, aber Frau Vergissmeinnicht hat mich mal wieder komplett überrumpelt und ist schneller gewachsen als der Salat. Weil es am Wochenende zuverlässig kein gutes Wetter gab, habe ich die Geburtenkontrolle bei Myosotis etwas vernachlässigt. Das nutzen die schamlosen Schnellkeimer natürlich gnadenlos aus.





Aber gibt es keine Alternativen zum Feldsalat, die man ohne vorhergehende Planung ernten kann?

Zum Glück gibt es die. Wer sich jetzt am Boden duckt und darauf hofft, nicht entdeckt zu werden, ist so manches wintergrüne Wildkraut, landläufig auch als Unkraut bezeichnet.

Da wäre zum Beispiel die Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), die man sowieso bald mal aus den Beeten jäten wollte, warum also nicht jetzt im Winter? Die Blätter sind essbar, der eigentliche Knaller sind aber ihre Wurzeln, die ein Aroma wie Gewürznelken haben. Mit ihnen kann man Getränke aromatisieren. Der Geschmack der Blätter wird oft als bitter beschrieben, bei der Jungpflanze, die ich probiert habe, waren sie das aber gar nicht. Sie schmeckten eher nach rohen Champignons.


Auch der Gundermann wächst in milden Wintern einfach weiter und ist immer gut für ein bisschen grüne Würze im Essen.

Falls die Knoblauchsrauke es in den Staudenbeeten allzu bunt getrieben hat, können einzelne Blätter nun für den Kräuterquark genutzt werden. Sie schmecken scharf wie Kresse mit einem Hauch Knoblauch.


Gänseblümchen im Rasen sind ein adäquater Feldsalat-Ersatz, allerdings finde ich die zu nett zum Essen. Haben sie noch mal Glück gehabt. Allenfalls die Blüten, die dank der milden Temperaturen erschienen sind und sowieso kaum Insekten anlocken, würde ich ernten wollen.


Die Möglichkeiten, ein bisschen winterliche Jätegymnastik mit einem leckeren Küchenbonus zu verbinden, sind also unbegrenzt. Und die Vergissmeinnicht dürfen jetzt auch bleiben, über die freue ich mich dann im Frühling.

Samstag, 30. Dezember 2017

So war 2017: Halbtrocken

Was haben eigentlich meine gute Vorsätze für 2017 so gemacht? Sind sie durchgekommen? Ich will ehrlich sein: Die meisten leider nicht, Schwamm drüber. Einen guten Vorsatz immerhin kann ich noch schnell umsetzen: Ich wollte endlich auch mal einen Jahresrückblick machen. Im Garten herrscht ja sowieso tote Hose, da kann man so schön im Bilderarchiv wühlen.

Was gab es also dieses Jahr an Pleiten, Pech und Pannen oder großer Freude zu berichten? Welche Experimente haben sich bewährt, welche nicht und natürlich das wichtigste Thema: Wie war das Wetter?

Nun, der Winter war wieder kein richtiger, an beiden Enden des Jahres. Dann war es Anfang April erst ganz muckelig warm und sonnig, bis ein blöder Kälteeinbruch den Apfelbauern die Schweißperlen auf die Stirn getrieben hat. Mein Zierapfel, der alte Schwerenöter, hat keine seiner Blüten verloren, mein Säulenapfel war sogar noch ausgebuffter und hat in weiser Voraussicht lieber auf das Blühen verzichtet.

Hier war 2017 ansonsten wie so mancher Rotwein: Halbtrocken. Mal wieder gab es bis in den Juni hinein kaum Niederschläge, sodass ich zum Äußersten greifen musste und mir Regen zum Geburtstag gewünscht habe, sogar laut. Hat auch funktioniert, in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni fing es an zu regnen. Daraufhin durfte ich mir von den Kollegen ein halbes Jahr lang anhören, dass ich Schuld sei am verregneten Sommer, Herbst und überhaupt. Wer bitte, der bei klarem Verstand ist, wünscht sich Regen?

Die Kohlmeisen hatten mit und ohne Niederschlag nur schlechte Bruten, was mir sehr leid getan hat. Plötzlich waren aber im Sommer zehn Haussperlinge im Garten, die seitdem Stammgäste sind und Futter bekommen.

Dann gab es im August einen Verlust zu beklagen, denn die beste Katze der Welt ist im Alter von 17 Jahren gestorben. Danke, dass du uns so lange mit deiner immer freundlichen Gesellschaft beehrt hast, Quietschie. Wir werden dich nie vergessen.

Immerhin habe ich schöne Gartenreisen gemacht im In- und Ausland, habe nette Gartenfreundinnen kennengelernt, zum Beispiel Sigrun vom Blog "Bergblumengarten", die ich in Bamberg getroffen habe. Sie hat mich gleich erkannt, weil ich mit der Kamera vor der Nase in den Beeten steckte.


Auch in Bielefeld und anderswo in Ostwestfalen gab es einige schöne Gärten zu sehen: 








Der eigentlich geplante Fotowettbewerb "Günstig Gärtnern" hat diesmal nicht geklappt, es hat sich kein Sponsor gefunden.

Und das bisschen Gemüse auf der Terrasse? Die Tomatenernte war dieses Jahr gar nicht so schlecht.


Besonders gefallen hat mir die Sorte 'Black and Red Boar', die ich als Jungpflanze von einer anderen neuen Freundin bekommen habe. Die Früchte waren riesig und sehr lecker, leider aber auch sehr wenige.





Begeistert hat mich auch ein Neuzugang von der Pflanzentauschbörse Gütersloh im April, der Kerzen-Knöterich. Scheu war er nicht, hat gleich losgelegt mit dem Wachsen und ewig geblüht. Weiter so!

Weniger gelungen war der Hängende Flaschengarten, den ich aus der Plastikflasche aus Holland gebastelt habe. Er funktioniert zwar wirklich tadellos was die Hydraulik angeht, allerdings wird das Wasserbecken mit der Zeit unappetitlich grün und trägt wenig zum wohnlichen Ambiente bei. Wie macht ihr Urban-Gardening-Göttinnen das bloß, die ihr diese Dinger am Küchenfenster hängen habt? Schrubbt ihr die regelmäßig oder werft ihr sie nach dem Fototermin schnell weg?

Ein voller Erfolg ist aber weiterhin die kleine selbstgezogene Tamarinde, sie wächst und gedeiht.



Mein neues Buch "Mein Bienengarten", das im Januar erschienen ist, ist bereits nachgedruckt worden, was für eine Freude.


Für 2018 wünsche ich mir, dass es immer mal wieder ordentlich regnet. Auch wenn ich dann wieder schuld bin am vermeintlich schlechten Wetter. Mir doch egal.

Samstag, 23. Dezember 2017

Kaffee auf Rädern

"Oh, wer um alle Rosen wüßte, die rings in stillen Gärten stehn - oh, wer um alle wüßte, müßte wie im Rausch durchs Leben gehn." Und so weiter und so fort. So schrub weiland Christian Morgenstern. Wir kennen das Gedicht, zumindest den Anfang, sicher alle, denn es wird nur allzu gern zitiert. Vor allem in der Gartenliteratur. 

Mir fällt eine Variante dazu ein: "Oh, wer um all die Samen wüsste, die rings in stillen Kammern stehn, oh, wer um alle wüsste, müsste ganz beschämt durchs Leben gehn". So ist es nämlich und ich bin keinen Deut besser, denn auch ich habe schubladenweise Blumen- oder Gemüsesamen herumliegen, die für immer ungesät bleiben werden, oder wenn doch gesät, dann nach all der Zeit bestimmt ungekeimt.


Das finde ich irgendwie nicht nett und habe deswegen auch ein ganz schlechtes Gewissen.

Und dann wiederum sammle ich von anderen Pflanzen keine Samen, weil ich denke, dass sie ewig leben. Wenn sie dann doch überraschend das Zeitliche segnen, fühle ich mich schuldig, und all die anderen in der Schublade vor sich hin alternden Samen sind kein Ersatz für die verlorengegangene Pflanze.

Nur bei meinem Kaffee (Coffea arabica) gehe ich immer auf Nummer Sicher und lege mir beizeiten eine Sicherungskopie zu. Das geht aber nur bei Kaffeebohnen in the green, denn die Saat bleibt nicht lange keimfähig und eine Samenbank würde rein gar nichts bringen, außer die Schublade noch mehr vollzustopfen.


Dieses Jahr bin ich noch einen Schritt weitergegangen mit meinen Sicherungsmaßnahmen und habe Mutter- und Tochterpflanze umgetopft in Selbstbewässerungstöpfe. So müssen sie keinen Durst erleiden und leben hoffentlich länger.

Die kleine Version hat diesen lustigen Topf bekommen, bei dem ein grünes Blümchen anzeigt, ob der Untersetzer Wasser braucht. Ist die Blume sichtbar, ist alles in Ordnung, verkriecht sie sich, muss man Wasser unten einfüllen, das mit Hilfe eines Dochtes zu den Wurzeln hochgezogen wird.



Die große Pflanze habe ich zum Coffee to go umgebaut, bzw. Kaffee auf Rädern: Der fahrbare Untersatz ist praktisch, weil er ein großes Volumen bietet und mobil ist. Die Pflanze ist mittlerweile so stattlich geworden, dass ich ihr nicht mehr mit mickrigen Topfgrößen kommen kann und sie auch nicht ständig hochheben möchte, wenn unter ihr geputzt werden soll. Und den alten Topf beim Putzen mit dem Fuß wegzuschieben machte immer ein nervenzerfetzendes Geräusch...




Und so haben jetzt beide Kaffeepflanzen zu Weihnachten ein neues Unterteil bekommen und werden hoffentlich steinalt. Der große funktioniert sogar als Weihnachtsbaum - rote Kugeln hat er ja schon!


Mit diesem in alter Tradition gänzlich unweihnachtlichen Artikel (und ich hab's wirklich versucht - man beachte die Lichterkette im Kaffee!) möchte ich euch aber doch auch Frohe Weihnachten wünschen!

Samstag, 16. Dezember 2017

Grüne Minna für Meisen

Manchmal wird man vom Schnee genauso überrumpelt wie die Pflanzen, weil der Wetterbericht so oft falsch lag und man ihm nicht mehr geglaubt hat. Die Gartenbewohner kennen aber keine Wettervorhersage und leben einfach in den Tag hinein. Die Rosen blühen weiter und selbst die Kapuzinerkresse kommt noch ganz unverfroren daher.




Was soll man bei Schnee und Eis den gefiederten Gartengästen anbieten, wenn man nicht rechtzeitig für einen Vogelfutterspender gesorgt hat? Oder der vorhandene in die Reinigung muss?




Hoffentlich findet sich dann noch ein leerer Tetrapak im Haus, den man gut ausgespült und getrocknet als Piepmatz-Provisorium einsetzen kann.

Mein Mini-Milchkarton stammt aus dem letzten Kurzurlaub mit Ferienwohnung. Er ist grün und hat sogar ein Schwalben-Logo aufgedruckt. Die gehören aber nicht zur Kundschaft.
Ich habe dem Tetrapak unten alle Ecken abgeschnitten und Holzstäbe über Kreuz durchgesteckt. Das sind die Sitzstangen. Dann habe ich etwas oberhalb der Stäbe einen Einschnitt über Eck gemacht und nach innen gedrückt. Oben noch den Giebel durchbohrt und einen Faden eingefädelt.


Nun kann man dem Ding das Futter über die Ausgießöffnung eintrichtern. Schraubdeckel drauf und ab damit in den Garten. Ein Regenschutz ist wichtig, da durch die Öffnungen unten Wasser eindringen kann - und nasses Futter wird mit sofortiger Wirkung verschmäht.

Natürlich haben die Blaumeisen wie immer als erste kapiert, wie der Recycling-Vogelfutterspender funktioniert. Wenn die Spatzen wieder Sitzfleisch beweisen und den anderen Spender nicht freigeben wollen, haben die kleineren Singvögel jetzt die Milchbar als Ausweichmöglichkeit.
 
Die Amseln und Rotkehlchen können zusätzlich noch am Spindelstrauch speisen.




Und die Kapuzinerkresse lebt trotz Schneefall immer noch...

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