Samstag, 20. August 2016

Panik im Pflanzbeet

Da habe ich ja neulich den wunderbaren Fenchel 'Smokey' (Foeniculum vulgare) bei Volmary ergattern können. Der sieht fantastisch aus und wenn man ihn durchwuschelt, fühlt er sich ungefähr so weich an wie ein Golden Retriever. Riecht aber besser. Genauer gesagt möchte man ihn sofort aufessen, wenn man den Fenchel mal wieder ordentlich geknuddelt hat, weil er dann sofort unwiderstehlich duftet.


Aber ich werde mich hüten, den Bronzefenchel in die Pfanne zu hauen, denn der soll ja nächstes Jahr blühen und gigantisch hoch werden - wie eine Rauchsäule wird der 'Smokey' dann hoffentlich aussehen, ungefähr wie dieser Verwandte von ihm, ein normaler Fenchel:

Bis es soweit ist, besteht natürlich die Gefahr, dass auch andere Feinschmecker das junge Gemüse lecker finden, namentlich die ohne Haare, die Nacktschnecken. Ob Fenchel denen schmeckt oder nicht, da gehen die Meinungen auseinander. Und weil der 'Smokey' so dunkel ist, bekomme ich bei jedem Blick aus dem Fenster gleich Schnappatmung, denn ich sehe braune, längliche Dinger in der Pflanze hängen, die wie Schnecken aussehen.

Beim wutentbrannten Stürmen in den Garten merke ich dann zum Glück, dass es doch keine sind - links das Original, rechts die Fenchel-Fälschung:


Es sind junge Blätter vom Fenchel, die sich als Schnecken tarnen, weil der 'Smokey' eben so bräunliche Blätter hat. Das verwirrt vielleicht sogar Fressfeinde, wer weiß. Bei mir jedenfalls klappt es, ich bin verwirrt.



Wenn das austreibende Blatt hier mal nicht einer Schnecke wie aus dem Gesicht geschnitten ist?

Es wird der Tag kommen, an dem ich denke, es ist junger Austrieb, und dann ist es wirklich eine Nacktschnecke. Vielleicht hofft ein lediger Schleimer ja beim Anblick der Pflanze auf Gleichgesinnte und wird erst recht von den braunen Jungblättern angelockt? Doch Nacktschnecken fehlt wohl die nötige Sehschärfe selbst für so eine simple Sinnestäuschung.


Ich aber bin jetzt paranoid und renne jeden Tag mehrfach zu meinem neuen Freund 'Smokey', um ihn vor etwaigem Ungemach zu schützen.

Das Japan-Waldgras 'Ice Dance' (Carex morrowii), das ich auch von Volmary habe, habe ich gleich nach Art des günstigen Gärtnerns vor dem Einpflanzen geteilt, denn ich habe viele schattigere Stellen, die so eine hübsche panaschierte Segge zu bereichern weiß. Es hat es mir nicht übel genommen und macht einfach weiter mit Wachsen.


Der Waldmeister 'Sterntaler' (Galium odoratum) steht jetzt unter der Kletterrose 'Manita' ebenfalls schattig und scheint schneckenlos glücklich zu sein.


Und das wünsche ich mir auch für den feinen Fenchel. Hoffentlich klappt's!

Samstag, 13. August 2016

Gartenbloggertreffen bei Volmary in Münster

Die Minze hat im Garten gern die Hosen an und wuchert wie sie möchte. Warum ihr also nicht gleich ein Beinkleid anziehen, damit sie den Gürtel endlich mal enger schnallen muss?


Wo ich diese modebewusste Ananas-Minze gefunden habe? Im Versuchsgarten von Volmary auf dem Kaldenhof in Münster, wo am Donnerstag ein exklusives Gartenbloggertreffen stattfand. Das Gemüse- und Blumenzuchtunternehmen zeigt seinen Garten sonst nicht für Privatpersonen her, daher war dies eine tolle Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen zu schauen.





Ideen für das günstige Gärtnern gab es dort ebenfalls. Nicht nur die bepflanzten Jeanshosen, sondern auch die Palettengärten machten was her. Sie eignen sich für schmale Plätze im Garten oder als begrünter Zaunersatz. Auf der Schattenseite wuchs sogar Waldmeister.

Das Gelände bot viele neue Sorten von Zier- und Nutzpflanzen. Auch kreative Saatmischungen für Insekten oder zum Naschen blühten um die Wette.


Dies hier ist eine Wilde Möhre (Daucus carota) mit ungewöhnlich rötlichen Blüten:

Im Tomatengewächshaus staunte ich Bauklötze und fand heraus, dass die Schädlinge dort statt mit Chemie mit netten Nützlingen bekämpft werden.


Die Sonne schien an diesem Tag, der im Oktober von den Temperaturen her gut aufgehoben gewesen wäre, leider nur in Form von Sonnenblumen.


Trotz des arktischen Wetters war das Gartenbloggertreffen ein voller Erfolg, kurzweilig und spannend. Das Volmary-Team hat gute Laune verbreitet, so dass der Regen nicht mehr so schlimm war. Es war toll, andere Gartenblogger einmal persönlich kennenzulernen.

Auch die netten Mitarbeiter von Nebelung habe ich getroffen, für die ich einen Bartnelken-Fanartikel geschrieben habe und bald noch mehr Beiträge verfassen darf. Bartnelken gab es auf dem Kaldenhof übrigens auch.

Damit uns der Tag noch lange in Erinnerung bleibt, wurden wir mit Geschenken überhäuft. Da ich mit dem Zug gefahren war, musste ich mich leider arg zusammenreißen und habe nur einen Bronzefenchel, Waldmeister und Carex morrowii mitgenommen. Die Rückfahrt fand also im Grünen statt.

Bio-Blumenzwiebeln und der Pflanzkasten von Emsa fanden zum Glück auch noch einen Platz im Reisegepäck.

Ich bedanke mich bei Volmary für den schönen Tag und freue mich schon sehr auf's nächste Mal, das dann hoffentlich wirklich im Sommer stattfindet!

Samstag, 6. August 2016

Die Unordnung lebt

Ordnung ist das halbe Leben, so heißt es. Da können wir ja noch von Glück sagen, dass es nur die Hälfte ist, denn schlafen muss man ja auch noch dann und wann. Im Garten können wir uns aber getrost auf ein Viertel runterhandeln lassen, denn für Tiere ist Ordnung nicht so ganz in Ordnung.

Abgeblühte Stauden den Winter über stehen zu lassen, gehört ja zum Glück mittlerweile zur gängigen Gartenpraxis, sehr zur Freude vieler tierischer Gartenbewohner, die sich entweder in den verwelkten Stängeln verstecken oder eben diese versteckten Leckerbissen essen möchten. Im Sommer aber bekommt man regelmäßig ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn Verblühtes die Netzhaut ordnungsliebender Besucher aufs Empfindlichste angreift.

Manche Pflanzen aber veredeln das Vergängliche so elegant, dass sie dadurch dem Gärtner mit den Scherenhänden entgehen, und das sogar mitten im Sommer. Zum Beispiel das Einjährige Silberblatt (Lunaria annua) ist nicht nur der Weltmarktführer im Wuchern, sondern auch ein Meister darin, den Gärtner zu bestechen, es doch bitte nicht abzuschneiden. Lieber entblättert es sich rechtzeitig, bis nur noch die nackten, silbrigen Schotenzwischenwände übrig sind und die schon mausetote Pflanze aussieht wie echter Wertstoff.

(Rechts im Bild hockt übrigens eine Sackträgermotte auf der Schote.) 

Der Tod steht der Pflanze sogar so gut, dass man sie sich gern ins Haus holt, wo die Stängel mit zarten Samenständen Jahrzehnte vor sich hinstauben können, ohne etwas von ihrem Glanz zu verlieren.

Bevor aber Lunaria einen auf edel macht, sieht es zugegebenermaßen auch nicht viel besser aus als verblühte Kohlstrünke.


Da muss man durch, bis der ganze Glamour losgeht. Dieses Jahr aber sah ich verblüfft, wie die braunen Stängel eine grüne Knospe präsentierten. Nanu, was war das denn?

Als ich erkannte, was es war, stockte mir regelrecht der Atem. Die Prominenz unter den Schmetterlingen war doch damals zur Blüte des Einjährigen Silberblatts im Garten gewesen und hatte Nektar genascht - Frau Aurorafalter höchstpersönlich hatte meinen bescheidenen Garten für einen flatterhaften Augenblick beglückt. Dann war sie auch schon wieder verschwunden. Auf eine Eiablage hatte ich nicht zu hoffen gewagt.

Nun aber war sie da - eine grüne Puppe, unverkennbar Aurorafalter mit dieser unnachahmlichen Eleganz wie ein grüner Damenschuh mit Spitze. Die Raupe hatte also doch unbemerkt an Lunaria gefressen und sich darauf verpuppt. Also dürfen die toten Stängel natürlich bleiben, bis der Schmetterling im nächsten Frühjahr schlüpft. Nicht auszudenken, wenn das Püppchen im Kompost gelandet wäre!

Wer findet die Puppe auf dem Bild?

Ich kann also nur allen Autorafaltern empfehlen, die Fühler von der Knoblauchsrauke und vom Wiesen-Schaumkraut zu lassen. Sucht euch nette Gärten mit Einjährigem Silberblatt, denn nur diese Pflanze hat die nötige glamuröse Erscheinung, euch Püppchen über den Winter zu helfen.

Und allen Gärtnern kann ich nur empfehlen, Lunaria annua Asyl zu gewähren, damit die wunderschönen Autofalter was zu beißen haben - hier noch ein paar gute Argumente aus dem Mai:


Samstag, 30. Juli 2016

Die Sterne vom Boden aufheben

Ich habe mir die Sterne nicht vom Himmel geholt, das ist mir zu anstrengend. Stattdessen habe ich sie aus dem Dreck gezogen, gut abgeklopft und eingepflanzt. Das war ganz einfach und hat nicht nur mich glücklich gemacht, sondern auch die Sterne. Wie das kam? Als ich neulich mal wieder den Radweg quer über den Friedhof genommen habe, um zu schauen, wie es den Turmfalkenbabies an der Kapelle geht, sah ich aus dem Augenwinkel etwas Seltsames aus einem der Grünabfallbehälter lugen. Ich wollte eigenlich nur gucken, was das für komische Blüten waren, dann aber sah ich, dass das Ausnahmegrünzeug sogar inklusive Wurzelballen erhältlich war.



Da musste ich natürlich zugreifen. Mit diesen kostenlosen, aber kostbaren Findelkindern aus dem Müll kann man ja nichts falsch machen. Wenn sie sich nicht retten lassen wollen und sofort eingehen, hat man nichts verloren, und sollten sie sich dankbar zeigen und noch lange und glücklich leben, ist man umso stolzer. So einem Gewächs kann man ruhig die teuerste torffreie Blumenerde spendieren, die es gibt, schließlich war der Anschaffungspreis der Pflanze schon konkurrenzlos. 

Zuhause musste ich aber erst einmal nachschlagen, was das für ein Gras mit weißen Blüten ist, damit ich die Erstversorgung auch fachgerecht vornehmen konnte. Und siehe da: Ich hatte die Prominenz aus dem Müll gefischt, ein echtes Aschenputtel mit Star-Qualitäten. Es handelt sich um nichts geringeres als ein Stern-Sumpfgras (Rhynchospora colorata), auch Sternentänzer genannt.

Und der Name ist ganz passend, denn die weißgefärbten Hochblätter täuschen eine große, sternförmige Blüte vor und tanzen auf langen, grazilen Halmen. Ohne diesen Trick kommen die meisten Gräser ja eher unverblümt daher. Insektenbesuch soll also von den unscheinbaren eigentlichen Blüten überzeugt werden, und tatsächlich werden sie dank der großen Show mit den erbleichten Hochblättern von Schwebfliegen besucht.


Das Sternchen ist wohnhaft im Süden der USA, wo es 'white star sedge' genannt wird. Es kommt von Süd-Texas über Alabama bis Florida vor, liebt nasse Füße, treibt Ausläufer und ist eigentlich eine Staude. Eigentlich, denn man kann sich leicht vorstellen, dass starke Fröste in seinem Verbreitungsgebiet so selten sind wie bei uns Alligatoren. Das nördlichste Vorkommen liegt in Virginia.

Also kann es gut sein, dass die Pflanze vor lauter Starallüren unsere Winter nicht allzu gut wegstecken wird und schon bei leichten Minusgraden 'Sweet Home Alabama' vor sich hinsummt, bevor sie endgültig Sterne sehen wird. Daher sollte die Anwesenheit dieser extravaganten Diva voll ausgekostet werden. Ich habe dem Fred Astaire unter den Gräsern also den allerschönsten Topf spendiert und kann mich gar nicht sattsehen an ihm.


Was eine kleine Radtour doch alles für Blüten treiben kann!

Samstag, 23. Juli 2016

Der Bart ist ab

Zweijährige Pflanzen haben's auch nicht leicht. Erst überleben sie den schlimmsten Winter, dann blühen sie sich die Seele aus dem Leib und am Ende wird ihnen noch vorgeworfen, dass sie keine Stauden sind. Heutzutage gilt es in Blumenkreisen schon als Makel, nicht mehrjährig zu sein.

Und in der Tat sind die Zweijährigen etwas lästig, denn sie sterben nach der Blüte meist auf Nimmerwiedersehen ab. Um auch im nächsten Jahr ihre Gesellschaft genießen zu können, muss man von den verblichenen Pflanzen Samen sammeln, sie sofort aussäen und irgendwie über den Winter kriegen. 

Die größte Herausforderung besteht aber darin, auch im nächsten Jahr noch Platz im Beet zu haben für die neue Generation der Zweijährigen. Während der Anzucht schlafen nämlich die Stauden nicht, sondern setzen alles daran, den neuen Raum einzunehmen, den die abgestorbenen Zweijährigen hinterlassen haben.

Die zweijährige Bartnelke (Dianthus barbatus) hat noch mit einem weiteren Imageproblem zu kämpfen: Wie viele Nelken gilt sie als hoffnungslos altmodisch. Und dann hat sie auch noch einen Bart...


Ich gestehe reumütig, dass auch ich mich jahrelang nicht wirklich um sie bemüht habe. Meine Mutter hatte sie mal hier und da, aber ich habe die bärtige Pflanze nicht groß beachtet. Letztes Jahr bekam ich dann übrige Sämlinge von meiner Mutter geschenkt, denn wenn Bartnelken in einer Disziplin wirklich richtig gut sind, dann ist das Keimen. Darin macht ihnen so schnell keiner was vor. Noch nicht mal eine Woche reicht den schwarzen Samen und die Jungspunde sind vollzählig angetreten.

Die Pflänzchen habe ich ins sonnige Null-Euro-Beet gesetzt und war dieses Jahr restlos überzeugt vom Charme der bunten Bartnelken, hier mit Mutterkraut und Oregano:



Keine Blüte gleicht der anderen und selbst eine einzige Pflanze kann verschiedenfarbige Einzelblüten haben, wenn sie so richtig einen drauf machen möchte.


Von weiß bis weinrot sind alle Abstufungen drin, gern dekoriert mit einem andersfarbigen Ring. Hier eine nicht repräsentative Auswahl all meiner Blüten:


Nicht nur ich war hin und weg von den dicken Blütenkugeln. Schmetterlinge lieben sie ebenso, manchmal kommt eine Hummel vorbei, und wenn man ganz genau hinschaut, findet man winzige Furchbienen, die die Staubgefäße abgrasen, ohne freilich an den Nektar am Grunde des langen Blütenkelchs zu gelangen:

Dieser Kleine Fuchs mit der Locke auf dem Rücken war gar nicht mehr wegzukriegen von den Blüten und flog den lieben langen Tag im Garten herum:


Die Bartnelken sind so gute Falterblumen, dass ich sofort Samen geerntet habe, sobald der Bart ab war, also die Saat reif. Im Juli ist es dann auch höchste Eisenbahn für die Aussaat, ab April kann man vorjährige Samen aussäen. Die Keimquote ist in jedem Fall hoch. Hier die lieben Kleinen, noch ganz ohne Bart:

Und nun hoffe ich, dass ich die bärtigen Damen in einigen Wochen irgendwo unterkriege, wo sie sich nicht von den Stauden unterkriegen lassen. Denn sie haben etwas Besseres verdient, die schönen Zweijährigen.

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